Skihochtour auf die Jamtalhütte vom 04.03.11 bis 08.03.11

Versalzenes Essen, Vertauschte Ski, Falscher Berg…
 
OK, um es gleich vorweg zu nehmen, der Titel ist nicht unbedingt repräsentativ für die Gesamtsituation, sondern stellt nur eine Zusammenfassung der durchaus verkraftbaren Schicksalsschläge dieser Tourentage dar. In Erinnerung werden eher Tatsachen wie das durgehende (!) Kaiserwetter, die spannenden Aufstiege, die traumhaften Abfahrten, die grandiosen Ausblicke und natürlich die riesige Gaudi bleiben.
Doch der Reihe nach:
Am Freitag machten sich insgesamt 10 Faschingsmuffel auf den Weg nach Galltür, um dem Pappnasenterror in der Heimat zu entfliehen und nach Möglichkeit auch noch die ein oder andere nette Skitour mitzunehmen. Nach dem flachen und langen, ewig langen Aufstieg zur Jamtalhütte und der erfolgreichen Zimmerbelegung gab es dann den ersten kleinen Dämpfer in Form eines &dbquo;etwas salzigen Abendessens. Doch nach einer fast unaufgeforderten Schnapsrunde aufs Haus des wirklich sehr freundlichen und netten Hüttenpersonals war dieser Ausrutscher auch schon wieder vergessen und es ging zur Tourenplanung. Hierbei wurde entschieden, dass als Eingehtour die Hintere Jamspitze gegangen wird, unter der Leitung von Gunter aber mit Zuhilfenahme der Assistenzbergführer Bernhard und Holger (meine Wenigkeit).
So ging es dann also am nächsten Tag bei strahlendem Sonnenschein im gemütlichen Tempo das Jamtal weiter hinauf, um den 3156 m  hohen Hausberg zu erklimmen. Ohne nennenswerte Probleme, abgesehen von etwaigen Tempodifferenzen, erreichten wir das Skidepot und nach 2 minütigen Fußaufstieg schließlich den Gipfel. Hier konnten wir nun zum ersten Mal die umfassende Fernsicht bewundern, welche uns die ganzen 4 Tage begleiten sollte. Bei der Abfahrt allerdings kam es dann doch zu Differenzen: Chefkameramann Bert wollte eine DAV-Version von Fire&Ice inszenieren, was aber wegen Disziplinproblemen bei den Teilnehmern nur mäßig von Erfolg gekrönt war. Ich wollte eine möglichst optimale und zügige Spur in den Schnee setzen, um die Sonne vor der Hütte noch mit einem isotonischen Kaltgetränk zu genießen, war mir aber wegen des hohen Tempos einen Rüffel von Gunter einbrachte. Und schlussendlich wollten Elisabeth und Matthias noch gleichzeitig die selbe Spur benutzen, was in einem beinahe Zusammenstoß endete und so lautstark diskutiert wurde, dass man von der Ferne den baldigen Einsatz eines Rettungshubschraubers vermuten würde. Spaß beiseite, alles halb so wild gewesen und letztendlich ist jeder auf seine Kosten gekommen und das nicht zu knapp. So konnte man dann doch den Tag mit einem diesmal hervorragenden Abendessen und ein wenig Hüttenzauber zufrieden ausklingen lassen.
Für den Sonntag stand nun die Breite Krone auf dem Programm. Leider wurde über Nacht Reinhard von nicht näher beschriebenen Magen-Darmproblemen heimgesucht und so zogen wir diesmal nur zu neunt, aber natürlich wieder bei bestem Wetter, in Richtung Kronen Joch los. Bei einer Teepause konnten wir mal wieder den Charmebolzen Gunter &dbquo;Langhans in Aktion erleben: Unverblümt sagte er zu einer zufällig anwesenden Tourengängerin &dbquo;… ein Wetter zum Helden zeugen! Hast Lust?.... Diese antwortete aber recht unbeeindruckt davon mit: &dbquo;… Helden hab ich schon gezeugt…. Von dieser Abfuhr wohl abgelenkt, führte uns das Balzkönig dann doch tatsächlich zum falschen Gipfel! So landeten wir nun also auf dem Nachbargipfel dem Grenzeckkopf, welcher mit 3048 m   nur unwesentlich niedriger als unser eigentliches Ziel die Breite Krone war. Gunter versuchte noch diesen Fauxpas zu kaschieren, indem er sich vor den entsprechenden Wegweiser stellte bzw. verkaufte es als spontane Umplanung wegen der besseren Schneelage und Aussicht. Bei letzterem hatte er natürlich nicht Unrecht. Der Gipfel war ein Traum und die Abfahrt war trotz der unterschiedlichen Schneeverhältnisse (Pulver, Plattenpulver, Bruchharsch…) wirklich super zu fahren.
Das Tourenhighlight stand dann am Montag an – die nördliche Augstenbergspitze (3228 m). Leider waren wir hierbei nur zu siebt, weil Ursel sich solidarisch zu dem noch immer geschwächten Reinhard gesellte, und Werner fiel aus, weil er am Vorabend solidarisch mit mir ein paar Weißbier geleert hatte. So ging es also etwas früher als üblich und ungewöhnlich zügig, dafür aber schattig, in Richtung Chalaus Ferner los. Dem kurzen Tragestück die Fuorcla Chalaus Scharte hinauf folgte dann der sehr sonnige und durch die Kesselwirkung fast saunaartige Gipfelhang zum Skidepot. Nachdem noch ein paar Summit-Clubler mit &dbquo;guten Tipps für die Abfahrt bedacht wurden, standen wir dann auch auf dem fast windstillen Gipfel und genossen (wie jeden Tag :-)) die Aussicht und die Brotzeit. Doch nun der Schock! Gestärkt für die Abfahrt stellte Gunter fest, dass seine Ski geklaut, oder sagen wir mal vertauscht wurden. Das können doch nur die Penzberger gewesen sein, welche kurz vor uns den Gipfel verlassen hatten und noch in Sicht- nicht aber in Hörweite waren. Nun war also schnelles Handeln gefragt. Bernhard MacGyver versuchte mit seinem Taschenwerkzeug die falschen Ski soweit anzupassen, dass Gunter wenigstens im AV-Überlebensstil den Gipfelhang bewältigen konnte und mir kam die Ehre zuteil, nach einer rasanten Gipfelabfahrt die Übeltäter zu stellen und auf ihren Fehler aufmerksam zu machen. Beides gelang! Und nach dem erneuten Skitausch und der Vereinbarung von Reparationszahlungen in Form von Weißbier, konnten wir nun (alle) die restliche Abfahrt genießen. Und die war wirklich ein Traum! In Pulver der feinsten Art konnten wir teilweise sogar noch frische Lines in den Schnee zaubern! Ich wiederhole: ein Traum! Bert (aka. Kamikaze-Bertl) machte zwar noch hangquerenderweise einen Abstecher in einen Lawinenhang, was ihm promt einen dezenten Hinweis von Gunter einbrachte &dbquo;… betrachte es als Anschiss…, dies trug aber mehr zu Erheiterung bei, als dass es in irgendeiner Form die Euphorie gebremst hätte. So kamen wir dann alle wohlbehalten und mit den eigenen Skiern zur Hütte zurück, und freuten uns bei einem Schadensausgeleichgetränk über diese nahezu perfekte Skitour.
Der letzte Tag stand dann etwas im Zeichen der bevorstehenden Heimfahrt, uns so wurde nur noch eine kleine Auslauftour auf eine nahegelegene Scharte in Angriff genommen. Wie es so ist wenn der Urlaub vorbei geht, sind nun wieder alle genesen und so konnten wir, wie schon am ersten Tag, wieder komplett die letzte Tour angehen. Um es kurz zu machen, es war wie schon jeden Tag zuvor, traumhaftes Wetter, ein netter, diesmal jedoch kurzer Aufstieg und eine schöne Abfahrt, welche nochmals an der Hütte zur obligatorischen Feedbackrunde endete. Hier herrschte natürlich die einheitliche Meinung, dass es &dbquo;sauguad, sauschee, und a fetzen Gaudi!, gewesen ist, was zum großen Teil natürlich auf Gunters Bergführer- und Entertainer Kompetenzen zurückzuführen war, und zum anderen Teil auf Petrus Wetter- und Schneekompetenz. Im Namen der gesamten Truppe geht hier deswegen nochmal ein dickes Lob an die beiden Herren raus &dbquo;Danke, macht’s weiter so!!".
 
Holger Lörch
Dabei waren:
Elisabeth; Ursel; Bernhard; Werner; Holger; Bert; Mathias; Reinhardt; Alex und Gunter
 
 
Und die Fotos zum Bericht von Holger:
 
Zuerst jedoch eine Korrektur zum Bericht von Holger:
Erstens war die im Text erwähnte Tourengängerin ausgesprochen attraktiv
Zweitens hat sie durchaus Interesse gezeigt
Drittens kam gerade ihr deutlich älterer Ehemann um die Kurve
Viertens hat sich dieser am Abend relativ früh zur Ruhe begeben
Fünftens habe ich erkannt, dass vom Grenzeckkopf die wesentlich besseren Schneeverhältnisse waren – wie schon erwähnt - und
Sechstens wollte ich die Gruppe testen, ob es überhaupt jemand merkt, dass wir auf einen anderen (nicht falschen) Gipfel waren.
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Beim Aufstieg zur Ht. Jamspitze 3156 m; der kleine Gipfel in der Mitte ist unser Ziel.
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Die erste Trinkpause, Flüssigkeit nachfüllen ist wichtig, nicht nur am Abend mit Weißbier
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Kleine Fotopause; im Hintergrund der Tiroler Kopf mit seinem imposanten Hängegletscher
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Kleine Fotopause; im Hintergrund der Tiroler Kopf mit seinem imposanten Hängegletscher
Auf dem Weg zur südl. Augstenspitze 3225 m muss die steile Chalausscharte
überwunden werden. Bernhard leistet Hilfestellung.
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Die große Wechte, die von der Chalausspitze herunterzieht macht kein Problem
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Gipfelrast
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Ein herrlicher Tag und eine Traumsicht; im Hintergrund der Ortler
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Hier geht’s hinunter zur Schweizer Tuoi Hütte, die bekannt ist für ihre gute Küche. Zum Saisonausklang sind mehrere Spitzenköche oben und bereiten das Abschiedsessen.
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da sind unsere Spuren auch dabei. Nicht die vier ganz rechts!
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Im Aufstieg zur Pfannknechtscharte ca. 2700 m am letzten Tag
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Holger ist schon oben; bei dieser perfekten Tarnung ist er kaum zu sehen.
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Der Blick geht hinüber  zur unbedeutenden Breiten Krone (links hinten) und zu dem
Paradeberg den Grenzeckkopf 3048 m (rechts der Bildmitte).
 
                               Gunter